Seit einiger Zeit lese ich immer öfter in meinem Feed den Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram (unter diesem Hashtag finden sich aktuell nicht zu verachtende 58.410 Beiträge) und wenn ich ehrlich bin, lässt dieser Hashtag mich einfach nur schmunzeln. Vor einigen Tagen las ich einen Artikel in der Allure (Ausgabe September 2016) über eine Redakteurin, die eine Woche lang nur Nahrung zu sich genommen hat, welche „instagramtauglich“ war. Sprich, es war schön angerichtet, oder es war bunte Rohkost – also nix mit der klassischen Käsestulle am Abend auf die Hand. Sie war frustriert und hat Dinge gegessen, die ihr gar nicht geschmeckt haben.17623116_1433136740062093_1945600495_oUnd dann frag ich mich, sind wir mittlerweile so verblendet von der Scheinwelt bei Instagram, dass man mittels Hashtags darauf hinweisen muss, dass diese Bilder der alltäglichen Realität entsprechen?

Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich möchte euch an dieser Stelle nur sagen – mein Instagram Account entspricht nicht unbedingt meinem Alltag. Wenn dies so wäre, hätte ich immer und überall traumhaftes Licht, meine Haut wäre stets makellos, ich hätte täglich frische Blumenarrangements rumstehen und meine Wohnung wäre immer perfekt aufgeräumt. Leute – dies ist nicht der Fall. Letztens sprach mich eine Kollegin an und fragte mich ob meine Wohnung immer so ordentlich wäre – hell no. Freunde werden schmunzeln wenn sie das lesen.

Aber sind wir doch mal ehrlich, Instagram ist eine Selbstsarstellungsplattform. Punkt.  Und möchte ich, dass Menschen die mich weder kennen noch mögen, in einer Welt in der wir über alles und jeden urteilen, mein echtes und reales Leben kennen lernen? Bedingt. Nur weil ihr meinen Instagramfeed kennt, bedeutet das nicht dass ihr mich kennt.

Nehmen wir mal mein letztes Bild. Ich stehe da also ganz entspannt auf dem Balkon rum, in meinem Kleid welches ich vor einer Stunde gekauft habe und halte ein Glas Wasser in der Hand. Easy. Nunja – da mein Balkon dieses Jahr noch keine Bekanntschaft mit dem Kärcher gemacht hat, sieht der eher so unschön bis dreckig aus. Ist so. Kann man nicht ändern. Also habe ich versucht eine Ecke zu finden, in der man das kaum sieht. Blumentechnisch kam nur der gestern gekaufte Lavendel von Ikea in Frage, da Blumen bei mir eine geringere Halbwertszeit haben als Polonium (und das hat 0,3 Sekunden – ich habs extra gegoogelt). Was ich euch damit sagen will, selbst dieses Bild ist kein Schnappschuss der die Realität zeigt.UnbenanntIch will damit Instagram auch gar nicht schlecht reden, ich sehe es eher wie Pinterest mit mehr Interaktion und vielleicht auch ein wenig mehr Echtheit. Dennoch möchte ich euch sagen, glaubt nicht alles was ihr seht und lest. So gut wie niemand von uns sind perfekt und lebt ein solches Leben (außer vielleicht Jay Alvarrez – aber selbst der hat sich vor kurzem von seiner Freundin getrennt und daraufhin standen sehr private unperfekte Dinge im Internet). Aber sind wir mal ehrlich, wer will schon verheult im Internet zu sehen sein? Oder mit einem dreckigen Balkon? Oder mit der Tatsache, dass am Ende des Monats eben nur noch Geld für eine öde Käsestulle anstelle eines fäncy Avocadotoasts übrig ist (und ja ich habe wirklich Spaß daran mein Essen schön anzurichten)? Niemand. Und das ist ehrlich gesagt auch gut so.

In diesem Sinne – it’s just social media Baby.